Seit Jahrhunderten ist der Mensch fasziniert vom Unbekannten - vom Mysterium der Reise. Man begibt sich in eine andere Welt, lässt sich auf neue Erfahrungen ein. Dichter und Denker greifen gern auf das Motiv des Wanderers zurück; so Caspar David Friedrich in seinem Selbstporträt "Wanderer über dem Nebelmeer". Friedrich Nietzsche greift das Motiv in seinem Gedicht "Der Wanderer und sein Schatten" auf. Und auch Paulo Coelho schreibt in seinem Sammelsorium über den "Wanderer".
Eine Reise kann einen Menschen um 100 Grad ändern, ihn die Welt mit anderen Augen sehen lassen - oder auch nicht. Das kommt wohl immer auf die eigene Einstellung an. Ich habe mich stets darum bemüht, möglichst viel von einem Land und seiner Kultur mitzunehmen. Doch noch nie habe ich eine Reise so erfahren wie diese. Denn diesmal - so habe ich festgestellt - geht es nicht nur darum, Land und Leute kennenzulernen, sondern vielmehr darum, sich selbst kennenzulernen. Ironischer Weise habe ich in den letzten zwei Monaten mehr über mich selbst und meine eigene Kultur gelernt als über Australien. Mit etwas Distanz werden einem viele Dinge einfach klarer. Es ist faszinierend wie schnell sich Einstellungen über Werte und Verhalten ändern können. Die Reise hierher hat etwas in mir ausgelöst, dass nur schwer mit Worten zu beschreiben ist. Einerseits verspühre ich eine ständige Unruhe, die nach Abenteuern und weiteren Reisen schreit. Andererseits habe ich mich selten so zufrieden, so einverstanden mit dem Leben gefühlt wie hier.
Ich denke, eine Reise muss nicht immer ans andere Ende der Welt führen. Sie kann wortwörtlich "im Herzen beginnen". Für diese Erkenntnis bin ich wirklich dankbar. Und wenn ich dafür tatsächlich bis ans andere Ende der Welt reisen musste, nehme ich das gerne hin. Die Dichter und Denker, die sich so gern dem Motiv des Wanderes widmen, verstehe ich gut. Denn auch ich möchte ein Wanderer sein - für immer.
Sonntag, 5. April 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen