Ein alter Bekannter fragte mich neulich verwundert, ob ich nicht früher immer Medizin studieren und Ärztin werden wollte. Was ich? Entgegnete ich ihm. Das muss ein Irrtum sein. Nichts läge mir ferner. Eigentlich wollte ich immer Bücher schreiben. Und darauf sagte er: "Na dann passt das mit dem Journalismus ja jetzt. Ist ja das Gleiche." - Bitte? Die prinzipientreue Fachjournalistik-Studentin in mir schrie auf. Das kann ja wohl ganz und gar nicht das Gleiche sein. Ein Journalist, so wurde mir bis vor kurzem noch eingetrichtert, hat die Aufgabe, Sachverhalte und Vorgänge öffentlich zu machen, deren Kenntnis für die Gesellschaft von [...] Bedeutung ist. Er arbeitet nach festen Kriterien wie Objektivität, Aktualität und Relevanz. Ein Schriftsteller hingegen verfasst literarische Texte, wie Romane und Gedichte. Seine Geschichten sind meistens fiktiv. Und nicht umsonst werden Schriftsteller von meinesgleichen auch mal abwertend "Märchenerzähler" genannt. Schriftsteller ziehen sich zum Arbeiten in kleine, schummrige Kämmerchen in gottverlassenen Gegenden zurück. Journalisten hingegen stürzen sich wann immer möglich in die Massen der Metropolen, mitten ins Geschehen.
Ohne auch nur eine Sekunde Luft zu holen, könnte ich noch dutzende Unterschiede zwischen Schriftstellern und Journalisten runterbeten. Man könnte meinen, nach zweieinhalb Jahren Studium bin ich fest mit der Rolle der herzlosen, unmoralischen Journalistin verwachsen. Dem würde ich nicht widersprechen. Denn ich liebe diesen Job - oder das, was ich davon bisher erleben durfte. Es macht mir unglaublich viel Spaß nach diesen Prinzipien zu handeln. Und ich glaube wirklich, dass Journalisten eine besondere Aufgabe in der Gesellschaft übernehmen.
Das Gleiche denke ich aber auch von Schriftstellern, Autoren und all jenen, die mit Worten etwas im Menschen verändern können. Sie bringen mich dazu, tagelang alles andere um mich herum zu vergesssen. Bringen mich zum Lachen, Weinen und Fürchten. Ein wirklich gutes Buch kann einen mehr verändern, als eine weitere Kerze auf dem Geburtstagskuchen. Schriftsteller müssen ganz besondere Menschen sein. Und deshalb ist dieser Kinderwunsch von mir, später mal Bücher zu schreiben, ganz und gar nicht das Gleiche wie ein Journalistik-Studium!
Montag, 15. Dezember 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen