Ich bin ein Organisationstalent – sage ich über mich selbst.
Sie ist etwas perfektionistisch – denken wahrscheinlich die anderen.
Ich gebe zu, dass ich in manchen Situationen etwas verkrampft bin oder die Dinge zu ernst nehme. Eine Reise zum Beispiel, und sei es auch nur der Ausflug in den Zoo, wird bei mir von vorne bis hinten durchgeplant. Da wären die Route, eventuelle Verpflegung, der Kostenaspekt oder auch die Zeiteinteilung – nur eine perfekte Vorbereitung verschafft mir die nötige Ruhe, um das Ereignis auch genießen zu können. Anders ist es allerdings, wenn etwas außerplanmäßig eintrifft, ich mich verspäte. Dann bekomme ich Herzrasen, meine Hände werden eiskalt und schwitzig. Ich reagiere mich an meinen Mitmenschen ab, beschimpfe sie, weil sie wortwörtlich die „Arschruhe“ weg haben.
Mein Plan, ein halbes Jahr in Australien zu verbringen, klingt in diesem Zusammenhang etwas waghalsig. Wenn man bedenkt, was in dieser Zeit alles schief laufen könnte. Allein die Reise dorthin birgt unheimlich viele außerplanmäßige Möglichkeiten. Ich könnte den Anschlussflug von Singapur nach Melbourne verpassen, weil sich die Maschine aus Frankfurt verspätet. Ich könnte aber auch gleich in Frankfurt scheitern, weil ich den Weg zum Gate nicht rechtzeitig finde. Nicht auszudenken was wäre, wenn unterwegs mein Koffer verloren ginge und ich ein halbes Jahr ohne meine Lieblingsjeans verbringen müsste. Ganz ehrlich, diese Reise wird mir sicher einen Haufen Stress bereiten.
Und doch ist es gerade das, was mich so daran fasziniert. Die Einwohner Australiens sind für ihre „no worries“ Philosophie weltbekannt. Egal welcher Sturm auf sie zukommt, es heißt immer erstmal: „no worries“! Und wie oft hat man nicht schon in Reiseberichten von Geschichten wie dieser gelesen: Ein Backpacker-Tourist fährt mit seiner Reisegruppe ins Outback und erkundigt sich beim einheimischen Guide, was sie bei einer Autopanne unternehmen würden – und erhält die nüchternde Antwort: „We all gonna die out here“. Dann gibt es da noch die abenteuerlustigen Surfer, die sich ohne Bedenken in die Fluten stürzen, auch wenn die Küstenwache Haialarm ausgerufen hat. Es scheint, als könnte man einen Aussie mit nichts auf der Welt aus der Ruhe bringen. Und das ist auch kaum verwunderlich. Angesichts der Vielzahl todbringender Gefahren in diesem Land, haben die Einwohner eine andere Einstellung zum Leben eingenommen. Ein verspätetes Flugzeug oder ein vermisster Koffer scheinen in diesem Licht tatsächlich nebensächlich.
Donnerstag, 18. Dezember 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen