Montag, 2. März 2009
Es brennt...
Ich gebe zu, ein Grund, warum ich nach Australien gegangen bin, war das Wetter. Das mag oberflächlich klingen, aber ich bin einfach kein Winter Typ. Gute Laune ist bei mir fast automatisch an gutes Wetter geknüpft. Und doch wünsche ich mir im Augenblick nichts sehnlicher, als dass es endlich regnet. Die Buschfeuer kommen immer näher. Noch immer wüten mindestens vier Brandherde unkontrolliert vor sich hin. Letzte Nacht wurde erneut ein Feuer im Süden Melbournes entdeckt. Bisher habe ich den Buschfeuern ehrlich gesagt kaum Beachtung geschenkt. Was interessiert mich ein Feuer, dass irgendwo im Hinterland rumlodert? Hier in Melbourne sieht das aber ganz anders aus. Täglich bekomme ich die Auswirkungen der Dürre zu spüren. Schon früh am morgen werde ich daran erinnert, wenn ich unter der Dusche stehe und peinlich genau auf die Uhr sehe, um die vorgeschriebenen 5 Minuten nicht zu überschreiten. Überall hängen Schilder mit der Aufschrift: "Wir haben Wassermangel! Spar Wasser!" Familien, die einen Garten am Haus haben, dürfen diesen nicht wässern und ihr Auto nicht selbst zu Hause waschen. Lässt man eine Zigarette fallen, wird man von allen Seiten mit verachtenden Blicken gepeinigt. Vielleicht haben die Ereignisse im Februar die Australier endlich aufwachen lassen. Der Tod von mehr als 200 Menschen hat gezeigt, dass sowohl die Regierung als auch die Bevölkerung viel zu spät reagiert haben. Gestern gab es erneut Warnungen vor heftigen Buschfeuern. Jeder Bürger in Victoria hat eine "Buschfeuer-Alarm"-SMS von der Regierung bekommen mit dem Inhalt: "Aufgrund der Wetterverhältnisse erwarten wir in der kommenden Nacht erneut heftige Brände. Bitte seien sie vorsichtig und bleiben sie in ihren Häusern!" - Sehr aufmerksam! Der Sturm war tatsächlich sehr heftig, bis zu 150km/Std. Ich hatte so meine Probleme, von der Uni zum Haus zu kommen. Der Wind war so heiß, dass er auf meiner Haut brannte. Die ganze Luft war voller Staub und Sand, sodass ich nur mit geschlossenen Augen vorwärts gehen konnte. Teilweise war es so windig, dass sich die Leute an Straßenmasten oder sonst wo festhalten mussten. So etwas habe ich in Deutschland noch nicht erlebt. Bei uns sind die Stürme ja eher feucht und kalt. Aber hier war es so, als stünde man in einer Sauna, durch die Sandkörner geschleudert werden. Heute - der Tag nach dem Sturm - sieht es wieder freundlich aus, fast so, als wäre nichts geschehen. Von neuen Bränden habe ich bisher nichts gehört. Doch eines haben mich die Ereignisse des vergangen Tages gelehrt: Nicht überall auf der Welt ist Sicherheit so selbstverständlich wie in Deutschland. Wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass wir immer genug Wasser haben und von extremen Umwelteinflüssen größtenteils noch verschont bleiben. Das mag naiv klingen, vielleicht ist es das sogar. Doch der Klimawandel, wie man ihn hier zu spüren bekommt, hat mit deutschen Verhältnissen überhaupt nichts zu tun.
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1 Kommentar:
Ach Kristinchen, pass bloß gut auf dich auf!!!
Ich hab auch noch nie so oft wie hier in China gemerkt, wie gut wir es in Deutschland eigentlich haben, was die äußeren Umstände wie Sicherheit oder Sauberkeit betrifft. Es bildet eben doch, wenn man die Welt bereist! Ich wünsch dir noch viele gute Erfahrungen und dass du heil wieder nach Hause kommst. Fühl dich gedrückt.
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